Von Leberwickeln
und
anderen Leckereien.
Meine 1. Detox-Kur.

- - Seelenmädchen

Schlaue Menschen machen eine Detox-Kur im Frühjahr. Schlaue Menschen beginnen mit einer Detox-Kur am ersten Tage des Urlaubs, nicht am letzten. Aber hey, man kann ja nicht immer schlaue Sachen machen. Und eine Detox-Kur ist per se ja schon mal schlau genug.

Detox Smoothie Haul

Also hab ich mir heute Morgen den Plan von gruenesmoothies.de geschnappt und bin auf unserem kleinen Markt am Rotkreuzplatz einkaufen gegangen. Neben Obst, Gemüse und Kräutern habe ich lose Tees aus der Apotheke besorgt: Brennnessel, Kamille, Melisse und Schafgarbe. Letzteren benötige ich für einen Leberwickel. Klingt irgendwie gewöhnungsbedürftig. Ist letzten Endes aber nur ein schafgarbenteegetränktes Tuch, das man sich auf Höhe der Leber auf den Bauch legt. Die Leber ist eines der wichtigsten Entgiftungsorgane, der Leberwickel erhöht die Durchblutung. Sorgt also quasi dafür, dass die Leber den Turbo einlegt. Ich wette, solche Dinge wusste schon Omi. Ich wusste es nicht.

Der erste Smoothie des Tages bestand aus Himbeeren, Äpfeln, Rosinen, Zitronensaft, Spinat, Kohlrabi-Blättern und Kopfsalat … und war wider Erwarten ziemlich lecker.

Greensmoothie

Später gibt es dann etwas, das verdächtig nach dünnflüssiger Pizzasoße klingt. Oh Pizza, yammi … tschüß, Smoothies.

Kleiner Scherz.

Tage wie dieser.

- - Kreativmädchen

Komisch sind sie, diese Tage, an denen du nichts zu sagen und nichts zu fragen hast. An denen du keinen klaren Gedanken fassen kannst. An denen du noch nicht einmal weißt, wer du bist, geschweige denn, wer du sein willst. Obwohl du noch gestern ein ganz klares Bild hattest. Von dir, von der Zukunft, von dem Davor und dem Danach und von allem anderen. Komisch sind sie, diese Tage, an denen du die Worte an dir vorüberziehen lässt. Worte, die du einmal verstanden hast, deren Sinn dir jedoch für den Moment abhandengekommen ist. Obwohl du sie noch gestern aneinandergereiht hast. Wort für Wort für Wort. Und sie nicht nur einen Sinn ergaben, sondern sogar eine Geschichte erzählten. Über das Sein, über das Wollen, und das Werden. Komisch sind sie, diese Tage, an denen die Zeit stillzustehen scheint und doch viel zu schnell vorüberrennt. Im Vorbeirennen den Hut schwenkt und entschuldigend mit den Schultern zuckt. Sie hat ja keiner gefragt, ob sie überhaupt sein will, wozu wir sie gemacht haben. Immer zu kurz, immer zu schnell vorbei, manchmal viel zu lang. Niemals perfekt. Was aber nichts macht, denn es gibt etwas, das viel besser ist als Perfektion.

Komisch sind sie, diese Tage. Gut, dass sie da sind. Gut, dass sie ein wenig bleiben. Gut, wenn sie mit Sack und Pack von dannen ziehen.

Hunt
the Good Stuff

- - Seelenmädchen

“Glückstagebuch führen. Hm, nee, Kinderkram. Mädchenzeug. Mach ich nicht, ist doch auch albern.” So was in der Art flüsterte der kleine Kobold, wenn ich irgendwo davon las, dass ich mir jeden Abend die drei angenehmsten Erfahrungen des Tages notieren sollte. Um den Fokus auf die positiven Dinge im Leben zu lenken. Auch in unserem MBSR-Kurs tauchte die Empfehlung in der zweiten Woche wieder auf und ich dachte erst: “Nee, echt jetzt? Ihr wollt mir ernsthaft mit so ‘nem banalen Frauenzeitschriftenkram kommen? Und dafür zahl ich … na egal.” Ich hab’s ausprobiert, aber nach ein paar Tagen hatte der Kobold wieder ganze Arbeit geleistet. Bis heute. Christina Berndts Buch “Resilienz – Das Geheimnis der psychischen Widerstandskraft” hat mich überzeugt, den Kobold in einen schalldichten Käfig zu werfen und dem Ganzen noch mal eine Chance zu geben.

Hunt the good stuff. Manchmal muss man den Banalitäten auch nur einen coolen Titel geben und sie klingen irgendwie schon viel überzeugender. Aber viel spannender fand ich eigentlich das: “So beschloss die US Army im Oktober 2009 ein gigantisches Psychoexperiment: Mit 125 Millionen Dollar finanziert sie seither ein Trainingsprogramm namens “Comprehensive Soldier Fitness” (CSF), an dem mehr als eine Million Soldaten teilnehmen sollen, um ihre Seele gegen Traumata zu feien. [ ... ] Eine der zentralen Übungen, mit denen man den Optimisten in sich wecken kann, nennt Seligman “To hunt the good stuff”. Das bedeutet so viel wie “den guten Stoff aufstöbern”. Das ist gar nicht so schwierig. Seligman empfiehlt, jeden Abend vor dem Zubettgehen drei Dinge aufzuschreiben, die am zu Ende gehenden Tag gut gelaufen sind.” Einer der teilnehmenden Soldaten zog für sich folgendes Fazit: es funktioniert. “Die wenigen Menschen, die einen einladen und einem Brot anbieten und Chai, die gleichen die 50 aus, die Steine werfen und einen in die Luft sprengen wollen.” Und wenn das schon in so einem Kontext funktioniert, warum sollte es also bei unseren First-World-Alltagswehwehchen nicht genauso gut oder sogar besser funktionieren. Abgesehen davon gilt Seligman als Begründer der “Positiven Psychologie”. Und: Negative Begebenheiten graben sich 7x stärker in unser Köpfchen ein als positive Erfahrungen. Zusammengenommen sind das für mich genug Gründe, Buch und Kugelschreiber zu zücken und mich diesmal ein bisschen konsequenter auf die Jagd zu machen.

Irvin D. Yalom:
Anleitung zum Glücklichsein

„Menschen schämen sich für ihre Schwächen. Sie haben Angst davor, verletzt und ausgeschlossen zu werden, wenn Sie zu viel von sich preisgeben von sich. Aber in der Therapie lernen sie: Alle Menschen haben dieselben Ängste. Da unterscheiden sie sich nicht sehr. Und das ist dann immer so ein Aha-Erlebnis – willkommen in der Menschheit.“

Selbstoffenbarung ist eines der großen Themen von Irvin D. Yalom. Nicht nur Selbstoffenbarung seitens des Patienten/Klienten, sondern auch Selbstoffenbarung seitens des Therapeuten. Ich lese gerade „Der Panama-Hut oder Was einen guten Therapeuten ausmacht“ und obwohl ich (bisher) keine psychotherapeutische Ausbildung absolviert habe, liegen wir in ziemlich vielen Punkten ziemlich genau auf einer Wellenlänge. Auch im Alltag macht es aus meiner Sicht Sinn, mit vermeintlichen Schwächen oder Fehlern ehrlich und manchmal sogar offensiv umzugehen. Das erzeugt Authentizität und damit Vertrauen beim Gegenüber. Und oft genug stellt sich dabei heraus, dass die vermeintliche Schwäche eher als verbindendes Glied fungiert und/oder von anderen Menschen gar nicht als Schwäche wahrgenommen oder eingeordnet wird. Im Allgemeinen bieten „Schwachpunkte“ Identifikationspotential, während (vorgetäuschte) Perfektion tendenziell abschreckend wirkt. Das aber nur als kleines Plädoyer für mehr Selbstoffenbarung am Rande. Eigentlich wollte ich nur sagen: Heyho, eine Dokumentation über Irvin D. Yalom (Autor von „Und Nietzsche weinte“ und „Die rote Couch“) läuft zurzeit im Kino, unter dem Titel „Anleitung zum Glücklichsein“. Ich hab sie noch nicht gesehen, aber ich mag den Trailer und ich finde, ihr solltet euch den Film anschauen. (Und mir im Anschluss erzählen, wie ihr ihn fandet und was ihr daraus gelernt habt, für den Fall, dass ich es selbst nicht schaffe …)

Die Macht der Stille

- - Seelenmädchen

Ich kam, sah und schwieg. Ich machte Yoga-Übungen und schwieg. Ich meditierte und schwieg. Ich aß und schwieg. Ich saß und schwieg. Ich ging und schwieg. Und während ich schwieg, vergingen die Stunden. Insgesamt sechs.

Der “Tag der Stille” ist Teil meines MBSR-Kurses. Schweigen, um noch ein bisschen mehr im eigenen Körper anzukommen. Schweigen, um der Achtsamkeit noch mehr Raum zu schenken. Schweigen, ohne irgendetwas erreichen zu wollen. Schweigen, um zu sein und zu beobachten. Was passiert da in mir drin? Regt sich Widerstand gegen dieses ungewohnte Schweigen? Will ich ausbrechen aus dem Kreis der Schweigenden? Klopfen Gefühle an, denen ich viel zu lange viel zu wenig Beachtung geschenkt habe? Oder fühle ich mich befreit von all dem Müssen, Wollen und Sollen? Wie oft gehen die Gedanken auf Wanderschaft und was ist ihr Ziel? Wie gut gelingt es mir, im Hier-und-Jetzt zu sein? Zu sitzen, um des Sitzens willen. Zu gehen, um des Gehens willen. Die Vergangenheit Vergangenheit und die Zukunft Zukunft sein zu lassen?

Der “Tag der Stille” war nicht ganz still. Unsere Trainerin gab Anleitungen zu verschiedenen Übungen. Yoga, Meditation, Achtsamkeit. Manche kannten wir bereits, andere nicht. Durch die Konzentration auf die verschiedenen “Aufgaben” fiel das Schweigen nicht sonderlich schwer. Die einzige wirklich seltsam anmutende Situation ergab sich während des Essens. Man sitzt mit vier anderen Personen am Tisch und es fällt kein Wort. Kein Bitte, kein Danke, kein Entschuldigung. Dabei ist das gemeinsame Essen im Alltag ein Ort der Geselligkeit und des Austausches. So zumindest haben wir es gelernt. Vielleicht mit ein Grund dafür, dass viele von uns nicht aufhören zu essen, wenn sie satt sind. Jedenfalls merkt man schweigend deutlich schneller, wenn der Magen sagt: “Passt schon, reicht. Mehr brauch ich nicht.”

Das einzige “Wort”, das mir während der ganzen sechs Stunden herausrutschte, war ein “Ups.”, als mir das Besteck viel zu laut ins Waschbecken knallte. Auch lustig: Das Schweigen beeinflusst jedes andere Verhalten. Jeder versuchte, den Löffel möglichst geräuschlos abzulegen und das Glas möglichst leise auf den Tisch zurückzustellen, um die anderen nicht in ihrer Ruhe zu stören.

Mein Fazit: Schweigen ist dann anstrengend, wenn es mit unseren Konventionen kollidiert. Und wenn wir glauben, unser komplettes Verhalten danach ausrichten zu müssen. Ansonsten kann es sehr wohltuend und heilsam sein. Auf jeden Fall war es eine Erfahrung, die ich wahrscheinlich auch irgendwann wiederholen werde. Dann vielleicht für sechs Tage, nicht nur für sechs Stunden.

Stille

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