Kathrin Wittich
von kathrynsky.de

- - Kreativmädchen

Damals, als ich noch gefühlt ganze Tage und halbe Nächte – oder eher halbe Tage und ganze Nächte – auf Twitter verbrachte, damals habe ich auch Kathrin kennengelernt. Am Anfang ging es um Männer. Später um die Gadget- und die Twittnite. Zurück zu den Männern. Es folgte irgendwas mit Ausstellung, Party und fieser Grippe. So erzählt es jedenfalls unsere Twitter-DM-Historie. Und irgendwann saßen wir uns dann bei einem Stück Pizza und einem Bier auf der Schanze gegenüber und haben ziemlich lange gequatscht.

balkon

Wenn man sich ein bisschen für das Geschehen in der Hamburger Social-Media-Szene interessiert, kann man Kathrin eigentlich nicht wirklich aus dem Weg gehen. Will man aber auch gar nicht. So trafen wir uns zum Beispiel beim Hamburger Barcamp oder bei der ersten Sofar Sounds Hamburg Session wieder. Seit ich in München wohne, sind diese zufälligen Begegnung weniger geworden. Verrückt. Aber dank Facebook, Twitter, Instagram und Kathrins Blog kathrynsky.de weiß ich immer, was das Fräulein Wittich gerade so treibt. Gestern zum Beispiel hat sie meine Interviewfragen beantwortet. Und weil sie das so schön gemacht hat, hier nun das Interview für euch in voller Länge:

Metamädchen:
Zum Einstieg würde ich meinen Lesern gerne erklären, was du beruflich machst. Aber um ehrlich zu sein: Ich hab keine Ahnung. Ich weiß, dass du ein eigenes Blog führst, manchmal selbstständig für Agenturen im Einsatz bist und dann war da noch irgendwas mit Bloggerrelations … magst du mich und meine Leser mal aufklären?

Kathrin:
Eigentlich hast du es damit schon ganz gut zusammengefasst, ich versuche es genauer zu beschreiben. Dafür muss ich ein wenig ausholen, denn bisher ging alles ineinander über, ab und an muss ich selbst überlegen, wie ich im Hier und Heute gelandet bin.
Nach der Schule konnte ich mich nicht entscheiden, was ich studieren soll, ich hatte immer Spaß an Photographie, anstatt mich in ein Photographiestudium zu stürzen, habe ich ein Jahrespraktikum in einem Photostudio gemacht – um zu sehen, was mich nachträglich im Job erwarten wird. Dort wurden Werbekampagnen und Beilagen für Zeitungen abgelichtet. Es war ein wahnsinnig tolles Jahr, ich habe aber auch schnell gemerkt, die Photographie als Job ist mir zu technisch. Ich hatte viel mehr Spaß daran, die Outfits der Modelle zusammenzustellen und Dinge für ein Bild schön zu drapieren und herzurichten (kurzer Sprung, doch merkt es euch, ich komme gleich darauf zurück).

In diesem Jahr habe ich auch sehr aktiv in einer politischen Partei mitgearbeitet und in der Jugendorganisation im Vorstand gesessen. Diese Praxis hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich dachte: „Dazu studiere ich die Theorie!“. Also habe ich Politikwissenschaften auf Diplom studiert. Das Studium war großartig, die richtige Entscheidung um meine unablässige Neugier etwas zu befriedigen.
Während meines Studiums, hatte ich die Möglichkeit durch die Kontakte, die ich in dem Jahr im Photostudio knüpfen konnte, bei Werbeproduktionen zu assistieren – irgendwann habe ich eigene Jobs gemacht, erst kleinere, dann größere. Bis 2010 habe ich als Stylistin in NRW, München und auch mal Übersee gearbeitet.

kat-himmel

Um wieder zu meinem heutigen Job zu kommen:
2006 habe ich mit dem Bloggen begonnen. Das Ganze hat als Unterhaltung für eine Freundin im Ausland begonnen und ich habe auch immer wieder von dem Stylingjob berichtet. Diese Backstage-Einblicke kamen so gut an, dass sich das Blog verbreitet hat. 2007 habe ich die ersten Anfragen für bezahlte Kooperation bekommen und konnte so dazuverdienen. Ich bin heute noch sehr dankbar, das ich in der Umsetzung von Beginn an ziemlich frei war und mir selbst etwas überlegen musste. Dann habe ich angefangen für Corporate-Blogs regelmäßige Kolumnen zu schreiben. 2009 wurde ich gefragt, ob ich nach Hamburg kommen möchte, um dort vor Ort Corporate-Blogs umzusetzen und noch mehr Social Media zu machen. Der Stylingjob war schön, doch ich hatte auch ein wenig genug davon und wollte etwas Neues beginnen. Also bin ich mit Sack und Pack aus dem Ruhrgebiet nach Hamburg gezogen.

Zuerst habe ich bei smatch.com gearbeitet und bin nach knapp einem halben Jahr zu achtung! PR gewechselt. Dort habe die Blogger-Relations umgesetzt und die Redaktion für den eBay Dealhunter Corporate Blog geleitet. Nebenbei allerdings immer noch für die eigenen Blogs (es wurden mit der Zeit mehr als Einer) gearbeitet und weiterhin Gastbeiträge geschrieben und auch mit Bewegtbild umgesetzt.

Anfang 2013 hatte ich die Idee Blogger als Agenten zu vertreten, damit diese sich wieder auf ihre Leidenschaft, das bloggen konzentrieren und nicht um die Administration kümmern müssen, wenn sie es auch als Job betreiben. Mittlerweile leitet Anne diese „Idee“ als richtige Agentur von München aus und ich mache in Hamburg Projektarbeiten für COVER PR.

Im Juni 2013 habe ich mich mit all dem selbstständig gemacht, dazu kommen noch Workshops (Blogentwicklung, Strategie, Umgang mit Bloggern etc.) die ich gebe und die Moderation von Events. Zudem hat es sich nun so entwickelt, dass ich Social Media Betreuung in einer Werbeagentur mache und Blogkonzepte für Menschen, die gerne damit starten wollen oder gestartet sind und Hilfe brauchen.
Puh – konntest du folgen?

ndr-interview

Metamädchen:
So einigermaßen :) Noch kurz zu den harten Fakten: Wo und als was warst du zuletzt festangestellt? Und wie lange bist du nun schon selbstständig unterwegs?

Kathrin:
Während des Studiums war ich als Stylistin in etwa fünf Jahre selbstständig, von 2010 bis 2013 bei Achtung! festangestellt und seit dem Juni 2013 wieder selbständig. Offiziell als Beraterin für Neue Medien – so ist es beim Finanzamt notiert.

Metamädchen:
Was hat dich letztlich wieder in die Selbstständigkeit getrieben?

Kathrin:
Ich wollte mehr meine eigenen Sachen machen, mehr ausprobieren, schneller umsetzen können und auch etwas Neues machen. Klar hatte ich auch ein wenig Schiss, dass dann doch nichts kommt und ich nicht weiß, wie ich laufende Kosten decken kann … deswegen habe ich mich schon zuvor darum bemüht, ein paar regelmäßige Auftraggeber zu bekommen. Viele andere Selbstständige haben mir von Anfang an Mut gemacht, mich direkt in ihre Jobs miteinbezogen und ich hab gedacht, wenn nicht jetzt, wann dann, warum nicht und wenn es eben nix für mich gibt, dann mache ich wieder etwas anderes in einer Festanstellung.

Metamädchen:
Ich würde Hamburg als Stadt der (selbsternannten) Kreativen bezeichnen. Wie ordnest du dich selbst ein? Empfindest du dich auch als Kreative? Bzw. welche deiner Tätigkeiten sind für dich kreative Tätigkeiten?

Kathrin:
Mmmmh, ich denke bei Kreativsein an eine künstlerische Begabung, wenn man danach geht, bin ich nicht sonderlich kreativ – ich male nur für mich selbst und ich spiele auch nur in meinen eigenen vier Wänden oder für meine Ma und mit dem Freund Klarinette. Ich kann unglaublich gut packen, ob Urlaubskoffer, Einkaufstüten oder Kofferräume – ich mache passend, was vorher „zuviel“ war – liegt, glaub ich, an meinem liebsten Gameboyspiel meiner Kindheit: Tetris. Also habe ich mal nachgelesen und Wikipedia sagt, der Begriff Kreativität bedeutet, „etwas neu schöpfen, etwas erfinden, etwas erzeugen, herstellen“, aber auch, “geschehen und wachsen”. Wenn Kreativität etwas zwischen aktivem Tun und passivem Geschehen-Lassen ist, bin ich kreativ – sich selbst organisieren und in ständigem Austausch mit der Umwelt stehen, genau das ist es, was mir Spaß macht. Ich selbst bin gemeinsam mit anderen Menschen kreativer, ich mag es Ideen hin- und herspielen zu können, anstatt für mich allein zu überlegen. Ab und an kommen allerdings auch Ideen, wenn ich unter Dusche stehe – durch Inspiration.

Metamädchen:
Was würdest du sagen: Wie kreativ muss man werden, um in Hamburg als Selbstständige zu überleben? Oder konkreter: Wie gut kannst du selbst von dem leben, was du machst?

Kathrin:
Selbstständig sein setzt ja nicht unbedingt schöpferische Kreativität voraus, demnach kommt es also auf den Beruf an – wie kreativ ist man, wenn man als Freiberufler Webseiten nach Vorgaben codiert? Wenn man als Texter und Komponist arbeitet „schafft“ man vielleicht kreativer.
Ich kann ganz gut von dem leben, was ich tue, wohne relativ zentral, habe aber auch kein Auto und zahle noch meine Bafögkredite zurück.

Metamädchen:
Vielleicht hätte ich in der letzten Frage “kreativ” durch “einfallsreich” ersetzen sollen, aber egal. Weiter im Text: Ich habe immer das Gefühl, du kennst Hinz und Kunz in Hamburg, was nicht zuletzt an deiner Blogreihe „Hamburger Menschen“ liegt. Wie wichtig ist ein großes Netzwerk beim Start in die Selbstständigkeit?

Kathrin:
Ich hatte schon als Jugendliche keine feste Clique, sondern immer Freunde aus verschiedenen Kreisen und Städten – war viel unterwegs und habe auch gern mal alleine neue Orte in anderen Ländern erkundet. Dabei lernt man, wenn man sich gern unterhält, eben auch Menschen kennen. Ich kenne es gar nicht anders, so ist es auch noch heute. Meine Freunde sind auf verschiedene Städte Deutschlands verteilt und in Hamburg in verschiedenen Freundeskreisen. Zurück zur Arbeit – auch dort vernetze ich mich gern, ich bin einfach happy, wenn ich verschiedenste Menschen zusammenbringen kann, die sich gegenseitig helfen können.

flugzeug-fliegen

In Hamburg wird es einem ziemlich leicht gemacht, zu unterschiedlichsten Events zu gehen, ob nun bei den regelmäßigen Treffen der DMWHH, im Betahaus, auf Konzerten, Ausstellungen oder auch auf dem Skate & Surffestival … es gibt so viele Netzwerktreffen, bei denen die Menschen sich verbinden, zusammen arbeiten und einander kennenlernen wollen. Ich weiß gar nicht, wie es da nicht geht Menschen kennenzulernen. Trotzdem passiert es mir wirklich andauernd, dass Freunde sagen „Kennst du die oder den …“, und ich weiß überhaupt nicht, von wem sie reden – was ich sagen möchte, mir kommt es gar nicht so vor, ich möchte gerne noch viel mehr interessante Menschen kennen.

Metamädchen:
Welchen Tipp würdest du jemandem, der irgendwas mit (Online-)Medien macht und dabei ist, sich eine Selbstständigkeit aufzubauen, mit auf den Weg geben?

Kathrin:
Netzwerken, zuverlässig sein und sich ein Gebiet suchen, in dem man sich besonders gut auskennt – ich kann zum Beispiel Werbung bei Facebook schalten, doch ich bin noch lange kein Profi darin und Analyst. Es gibt Leute, denen macht es richtig Spaß, sich durch die Statistiken zu wühlen und verschiedenste Werbeformen auszuprobieren.

Metamädchen:
Du hast vorhin schon ein bisschen davon erzählt, aber ich würde gerne noch ein bisschen mehr über kathrynsky.de erfahren. Ist das Bloggen für dich mehr Hobby oder mehr Beruf? Und: Kannst du dich – zumindest teilweise – sogar über’s Bloggen finanzieren?

Kathrin:
Ich möchte mich nicht so abhängig davon machen, weswegen ich es nicht ausprobiere – doch das Blog ist ein guter Zuverdienst und ich bin heute in dem Bereich tätig, weil ich durch das Bloggen Menschen kennenlernte, durch die sich neue Möglichkeiten ergeben haben. Demnach kann ich schon sagen, durch den Blog finanziere ich mich. Ist es nicht herrlich durch die Leidenschaft einen Beruf erschaffen zu haben, der Hobby und Beruf ist?!

Metamädchen:
Welche Blogs liest du selber am liebsten?

Kathrin:
Am liebsten lese ich die Blogs der Menschen, die ich auch im echten Leben kenne. Einige BloggerInnen, die ich durch den Blog kennengelernt habe, kann ich heute zu meinen Freunden zählen.
Im Moment mag ich Reiseblogs, doch ich bin da nicht so festgelegt, nach wie vor einer meiner Favoriten ist der Lawblog des Anwalts Udo Vetter aus Düsseldorf. Der Blog sieht optisch immernoch aus wie zu Beginn – das mag ich, Blogdesign, das aussieht wie ein Blog und nicht wie ein Magazin.

Metamädchen:
Hast du schon neue Projekte in der Pipeline? Was bringt die Zukunft für kathrynsky?

Kathrin:
Vor ca. einem Jahr habe ich damit angefangen, mehr nachhaltige Projekte auf dem Blog vorzustellen, das ist in letzter Zeit etwas weniger geworden, soll aber wieder mehr werden. Ich hab die Outfitpostings auch sehr vernachlässigt, da sie allerdings gut angenommen werden, habe ich mir vorgenommen, auch hier wieder mehr zu machen – soweit es geht, immer mit einer kleinen Geschichte und Hamburg-Bezug.

Außerdem werden in Zukunft ein paar Hamburger in anderen Städten in der Serie „Hamburger Menschen“ auftauchen, „Hamburger Menschen im Exil“ quasi. Und dann, pssst, gibt es wohl noch eine Kooperation mit einem Taschenlabel – aber dazu mehr, wenn es so weit ist.

Metamädchen:
Und was bringt sie für Kathrin? :)

Kathrin:
Ist ja wie an Silvester hier: Vorsätze für das neue Jahr. Auch im „normalen“ Job werde ich in Zukunft mehr nachhaltige Projekte anstreben, das habe ich vor ein, zwei Monaten bereits Menschen erzählt, die in den Bereichen vernetzter sind – und es wird. Es macht mich glücklicher, nachhaltige Themen zu begleiten als von dem neuesten Modetrend zu berichten – ich mag Kleidung gern und probiere auch gern Neues aus, doch fühle mich in ihr am liebsten wohl und das geht eben nicht mit jedem aufkommenden Trend.

Vielleicht gründe ich auch etwas und studiere nochmal. Die Ideen sind allerdings noch nicht so ausgereift, als dass ich schon davon erzählen kann. Und was privat so kommt, erzähl ich dir gern bei einem Kaffee, das gehört nämlich nicht ins Netz … ;)

Metamädchen:
Unbedingt! Ich werde dich bei meinem nächsten Hamburg-Besuch daran erinnern! Danke für das schöne Interview und die spannenden Einblicke in dein Leben als Selbstständige.

by-katja-hentschel

Eine Sinnsuche in Listenform.

To-Do-Liste, die: Allheilmittel zu Beginn des 21. Jahrhunderts, das dazu diente, den hektischen Alltag der arbeitenden Bevölkerung zu priorisieren, die eigene Wichtigkeit zu symbolisieren und Halt in einer Welt ohne Sicherheit zu suggerieren.

Liest man sich heute durch Blogs, Frauenmagazine oder „Simplify your Life“-Ratgeber gewinnt man den Eindruck, das Glück der Welt sei heutzutage nicht mehr auf dem Rücken der Pferde, sondern zwischen den Zeilen aufwändig gestalteter und bunt unterkringelter To-Do-Listen zu suchen. Mal abgesehen davon, dass ich auch nie auf die Idee gekommen wäre, mein ganz persönliches Glück auf dem Rücken eines wiehernden und galoppierenden Vierbeiners zu suchen, glaube ich, dass uns kaum etwas weiter von einem irgendwie gearteten Sinn des Lebens entfernt als eine To-Do-Liste. Denn einer solchen Liste liegt, wenn wir ehrlich sind, doch nur eine einzige Fragestellung zugrunde: „Was könnte ich noch tun, damit ich mir die wirklich essentiellen Fragen meines nicht besonders aufregenden Lebens nicht stellen muss?“ Timothy Ferriss rät in “The 4-Hour Workweek” dann auch folgerichtig dazu, im Zweifel lieber eine „Not-To-Do-Liste“ zu erstellen. Also die „To-Do-Liste“ so weit zu reduzieren, dass pro Tag nur zwei Aufgaben übrigbleiben. Zwei Aufgaben, die so wichtig sind, dass sie unser Leben auf die eine oder andere Weise voranbringen.

Kann man machen. Ich persönlich tendiere jedoch zum Prinzip der natürlichen Selektion. Gedanklich definieren, abspeichern, vergessen. Die wesentlichen Dinge merken wir uns. Die unwesentlichen Dinge gehen in den unendlichen Weiten unserer grauen Zellen verloren. Macht aber nichts, denn keiner wird nach ihnen fragen. Und eine Wohnung, die im Chaos versinkt, lässt sich mit To-Do-Liste mindestens genauso vortrefflich ignorieren wie ohne. Fragt meine Wohnung, sie weiß, wovon ich rede.

Allen „To-Do-Listen“-Liebhabern empfehle ich die folgende Vorgehensweise: Liste rauskramen, auf Lebensträume checken, Metamädchen Recht geben, Papierkugel formen, Drei-Punkte-Wurf in den nächsten Mülleimer landen. Erleichtert aufatmen. Fertig.

Warum ich
die Generation “Y”
gerne in
Generation “Sack”
umbenennen würde

Ich gehöre zur Generation Y. Sagen die zahllosen Artikel, die so darum bemüht sind, die zwischen 1980 und 1995 geborenen in eine große Schublade zu stecken und den Schlüssel wegzuwerfen. Die seitenweise darüber philosophieren, wie wir sind und warum wir so sind, wie wir nunmal sind. Die alle zu dem Schluss kommen, man hätte uns noch vor dem ersten Milchzahn erzählt, wir könnten alles werden, uns würden alle Chancen offenstehen, wenn wir uns nur genug darum bemühen. Wobei … eigentlich sei noch nicht mal von Bemühen die Rede gewesen. Den Wunsch mit dem ersten ausgefallenen Milchzahn unters Kissen legen und nur fest genug daran glauben, dann würde uns der Erfolg schon von selbst in den Schoß fallen. Deswegen würden wir auch alle so herumeiern, nichts ganz und vieles noch nicht mal halb machen, mehr erwarten, als wir zu geben bereit sind. Und so zwangsläufig unglücklich werden.

Klar, ja, ich durfte alles werden, was ich werden wollte. Nur bitte keine Lehrerin. Zu viel Arbeit für zu wenig Ansehen. Und bitte auch keine Journalistin, die nagen alle am Hungertuch. Festanstellung: Fehlanzeige! Psychologie? Ja, vielleicht. Nee, lieber doch nicht. Die gehören alle selber auf die Couch. Im Notfall dann doch Lehrerin. Aber wie wär’s mit Medizin, Jura oder Ingenieurswesen? Das wäre doch was. Sicher, bodenständig und gut bezahlt. Du singst und die Leute kommen angerannt, um zu sehen, ob ein Kind misshandelt wird und dein Blockflötenlehrer verzweifelt, weil du nicht nur keinen Ton, sondern auch keinen Takt halten kannst? Egal, mit dem Klavier- und Posaunenunterricht wird sich das sicher ändern. Ganz bestimmt. Und sag mal, wieso hast du mit 14 eigentlich immer noch keinen Mann?

Ja, vielleicht. Vielleicht eiern wir alle ein bisschen herum. Vielleicht geht das aber auch gar nicht anders, wenn man in der Zerrissenheit einer sicherheitsbedürftigen Kriegs- und Nachkriegsgeneration und den Idealen der 68er großgeworden ist. Was zumindest für die Anfang der 80er geborenen in den meisten Fällen gilt. Vielleicht sind wir auch einfach zu schlau, um uns in das eine oder andere Extrem zu stürzen, weil wir gesehen haben, das beides nicht funktioniert. Und vielleicht ist es auch einfach ziemlich vermessen, Menschen, die 15 Jahre trennen, gemeinsam in einen Sack stecken zu wollen und zu hoffen, dass man beim Draufhauen schon die richtigen erwischen wird.

Stimmt, ich glaube daran, dass ich alles erreichen kann, wenn ich das, was ich mache, gut und mit Leidenschaft mache. Aber nicht, weil es mir jedes zweite Werbeplakat entgegen schreit oder weil es mir irgendein Vertrauenslehrer eingetrichtert hat. Sondern weil ich mit endlos vielen Minischritten und ein paar kleinen Sprüngen aus der Ambivalenz meiner Kindheit (und meiner Eltern) herausgetreten bin. Und weil ich mit jedem Schritt einen Teil von der Angst und den eingeimpften Sicherheitsbedenken zurückgelassen habe. Weil ich mich für das Prinzip “Trial & Error” entschieden habe – und gesehen habe, dass es funktioniert. Der eine oder andere würde vielleicht sagen, ich sei herumgeeiert, als ich nach den ersten beiden Semestern das Studienfach gewechselt habe, als ich kurz vor knapp die Anmeldung zum Referendariat zurückgezogen habe, als ich nach einem gefühlt ewig dauernden Erststudium noch das Jahr an der Texterschmiede angehängt habe – als ich angefangen habe, mein Glück in der Schreiberei zu suchen. Ich würde sagen: Manchmal muss man ein paar Schritte in die falsche Richtung machen, um Anlauf und Mut für den nächsten großen Sprung zu sammeln.

Mit freundlichen Grüßen,

eine Vertreterin der Generation alle in einen Sack und draufgehauen. Bleibt nur eine Frage: “Y?”

Die Kunst des Müßiggangs

- - Kreativmädchen

Dass ich Katzen nicht sonderlich mag, ist kein großes Geheimnis. Aber eines kann man sich von ihnen definitiv abschauen: Sie sind Meister des Müßiggangs. Und auch wenn wir wohl nie ihre Meisterschaft erreichen, können wir sie ja zumindest als Inspirationsquelle nutzen.

War Müßiggang einst ein Privileg (des oberen Adels), ist er heute oft nur noch Ursprung des schlechten Gewissens. Entgegen der gängigen Auffassung, ist das jedoch keine Erscheinung des 2.0-Zeitalters, sondern eine Feststellung, die schon Nietzsche zu Papier brachte:„Die Arbeit bekommt immer mehr alles gute Gewissen auf ihre Seite: Der Hang zur Freude nennt sich bereits „Bedürfniss der Erholung“ und fängt an, sich vor sich selber zu schämen. „Man ist es seiner Gesundheit schuldig“ — so redet man, wenn man auf einer Landpartie ertappt wird. Ja, es könnte bald so weit kommen, dass man einem Hange zur vita contemplativa (das heisst zum Spazierengehen mit Gedanken und Freunden) nicht ohne Selbstverachtung und schlechtes Gewissen nachgäbe.“ Wer weiß, vielleicht reicht sie auch noch weiter zurück. Schließlich mangelte es der Jugend auch schon bei Platon an Respekt. Nicht, dass diese beiden Erkenntnisse in irgendeinem Zusammenhang miteinander stünden, außer in eben jenem, dass jede Generation stets denkt, sie allein zeichne sich durch gewisse Entwicklungen aus.

Damals wie heute gilt: Die Muse ist die kleine Schwester der Muße. Wollen wir von ihr geküsst werden, müssen wir erst einmal die Gunst der großen Schwester erwerben. Sprich: Sie in unser Haus (und unser Leben) einladen. Das heißt nicht, dass wir sie dauerhaft einquartieren sollen, es reicht, wenn wir ihr vorübergehend ein gemütliches Plätzchen zur Rast anbieten. Einfach mal fünf bis zehn Minuten aufs Sofa, die Augen schließen und sich auf den eigenen Atem konzentrieren. Nichts denken, nichts planen, keine (vermeintlichen) Probleme lösen. Einfach mal sein. Zulassen. Loslassen. Wahrnehmen. Dann kommt die Kreativität, die kleine Schwester, ganz von selber und kitzelt uns an den Füßen und fordert so unsere Aufmerksamkeit ein.

Für ein kreatives Leben ist Inspiration von außen unerlässlich. Aber viel unerlässlicher sind kleine Auszeiten, in denen wir die gesammelten Eindrücke und Erfahrungen verarbeiten und sie zu neuen Gedanken verknüpfen. Betrachten wir den Müßiggang doch einfach als moderne Kunst – schließlich sind wir alle ständig darauf bedacht, unser Leben zu einer neuen Kunstform zu erheben. Ein fauler Sonntag, ein großes Sofa und eine weiche Kuscheldecke geben übrigens ein ganz hervorragendes Gemälde ab. In diesem Sinne: Ich mache dann mal Kunst.

Von Leberwickeln
und
anderen Leckereien.
Meine 1. Detox-Kur.

- - Seelenmädchen

Schlaue Menschen machen eine Detox-Kur im Frühjahr. Schlaue Menschen beginnen mit einer Detox-Kur am ersten Tage des Urlaubs, nicht am letzten. Aber hey, man kann ja nicht immer schlaue Sachen machen. Und eine Detox-Kur ist per se ja schon mal schlau genug.

Detox Smoothie Haul

Also hab ich mir heute Morgen den Plan von gruenesmoothies.de geschnappt und bin auf unserem kleinen Markt am Rotkreuzplatz einkaufen gegangen. Neben Obst, Gemüse und Kräutern habe ich lose Tees aus der Apotheke besorgt: Brennnessel, Kamille, Melisse und Schafgarbe. Letzteren benötige ich für einen Leberwickel. Klingt irgendwie gewöhnungsbedürftig. Ist letzten Endes aber nur ein schafgarbenteegetränktes Tuch, das man sich auf Höhe der Leber auf den Bauch legt. Die Leber ist eines der wichtigsten Entgiftungsorgane, der Leberwickel erhöht die Durchblutung. Sorgt also quasi dafür, dass die Leber den Turbo einlegt. Ich wette, solche Dinge wusste schon Omi. Ich wusste es nicht.

Der erste Smoothie des Tages bestand aus Himbeeren, Äpfeln, Rosinen, Zitronensaft, Spinat, Kohlrabi-Blättern und Kopfsalat … und war wider Erwarten ziemlich lecker.

Greensmoothie

Später gibt es dann etwas, das verdächtig nach dünnflüssiger Pizzasoße klingt. Oh Pizza, yammi … tschüß, Smoothies.

Kleiner Scherz.

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