metamädchen

Ein Metamädchen im Award-Zirkus

Vor vier Jahren um diese Zeit saß ich in Tübingen am Tresen meiner Lieblingsbar, starrte in meinen Old Fashioned und traf eine Entscheidung. Sieben Tage später füllte ich am Tag vor Bewerbungsschluss den Copytest der Texterschmiede aus, verzweifelte nachts um vier daran, meine Unterschrift auf ein virtuelles Stück Papier zu setzen, schickte ihn um fünf doch noch ab – und dachte nach zehn Minuten: “Was zur Hölle ist denn eigentlich in dich gefahren?” Weitere vier Wochen später zog ich die Anmeldung zum Referendariat zurück (ja, Tatsache, ich besitze ein Staatsexamen in Germanistik und Geographie), plante meinen Umzug nach Hamburg und verabschiedete mich kurze Zeit später mit den Worten: “In einem Jahr bin ich zurück und bis dahin: Tut nichts, was Muddi nicht auch tun würde.” Aus einem Jahr wurden dreieinhalb Jahre und Muddi denkt in ihren schwachen fünf Minuten wehmütig an den Neckarmüller, die Stocherkähne, das Eiscafe am Nonnenhaus und die unzähligen Karaokeabende in der Tangente zurück.

Im Gepäck hatte ich damals wie heute ganz eigene Ansichten und Prinzipien. Und wenn ich schon in die Werbung ging, wollte ich wenigstens in eine Agentur, die sich aus diesem ganzen aufgesetzten Werbezirkus raushält. Werbepreise – what for? Ich wollte schreiben und den ganzen Rest eben den … na ja, dem ganzen Rest überlassen. Sollten die mal machen. Ich würde vielleicht zu den Goldenen Hirschen, vielleicht zum RTS Rieger Team gehen und hier wie dort mein Ding machen – fernab von silbernen Nägeln und goldenen Löwen. Dann stand da eines Abends Andreas Grabarz in der Texterschmiede und der Abend wurde zu einem der wenigen Abende, an dem alle einfach mal die Klappe gehalten und zugehört haben. Plötzlich wusste ich, dass es für mich nicht länger darum gehen würde, ob ich in eine Agentur gehe, die sich an Wettbewerben und Pitches beteiligt. Es würde darum gehen, ich selbst zu bleiben, jemand zu bleiben, mit dem ich morgens gerne im Bett aufwache. Es würde darum gehen, eine Agentur zu finden, die genau das an mir wertschätzt, die mich wertschätzt. Und diese Agentur hatte ich an diesem Abend in der Texterschmiede gefunden.

Die Award-Saison ist in vollem Gange und mein Team hat bisher einen goldenen Clio und einen silbernen Pencil (One Show) gewonnen. Das ist toll. Es ist toll, weil ich mich darüber freue, dass jemand unsere Ideen wertschätzt. Ich freue mich darüber nicht mehr und nicht weniger als über positives Feedback von Kollegen oder von Kunden.

Kommende Woche ist das ADC Festival in Hamburg. Ich freue mich auf die Ausstellung. Denn unter viel Gezwungenem und Gewolltem wird es immer ein paar Ideen, Gedanken und Umsetzungen geben, die mir ein anerkennendes Nicken und ein Lächeln entlocken. Ich freue mich auf die Party. Denn zwischen all dem inhaltsleeren Smalltalk werde ich Gespräche suchen und Gespräche führen, für die es sich gelohnt hat. Und dann gehe ich nach Hause, in dem Wissen, dass ich auch in Zukunft den einen oder anderen Blogpost schreiben werde, der mich wieder daran erinnert, was mir wichtig ist – und was nicht.

OFFF vs. re:publica

Morgen beginnt in Berlin die re:publica. Wie in den letzten drei Jahren: ohne mich. Dreimal vorgenommen, dreimal dagegen entschieden. Dieses Jahr hat das aber einen guten Grund: die OFFF 2013. Das “international festival for the post-digital creation culture” findet im Juni bereits zum 13. Mal statt. Und zwar in Barcelona.

Die OFFF mit der re:publica vergleichen zu wollen, wäre müßig. Nur war die Entscheidung für das eine automatisch eine Entscheidung gegen das andere, weil ich mir nicht beides leisten wollte. Im Mittelpunkt der OFFF stehen Design, Kunst und Musik. Man könnte sich also die Frage stellen, was ich dort als Texterin zu suchen habe. Die Antwort ist simpel: Inspiration. Und davon bietet die OFFF reichlich. Ich bin ein großer Fan davon, ab und an über den Tellerrand des eigenen Fachgebiets zu schauen. Denn letztlich geht es in unserem Job immer um die große Idee. Um intelligente Verknüpfungen der Disziplinen. Und selten um das reine Wort. Mal ganz abgesehen davon: Texten kann ich schließlich schon. Also füttere ich meinen Kopf und – entsprechend dem Motto “Let’s feed the future” – meine Zukunft mit neuem Stoff.

Besonders schön finde ich, dass die Tickets für die OFFF trotz der hohen Qualität der Beiträge über die Jahre hinweg vergleichsweise günstig geblieben sind: 133 Euro kostet das 3-Tage-Ticket. Joshua “OFFF Grande Papi” Davis sagt dazu: “What that did, was allowed those who really needed to be a part of something culturally significant an opportunity to attend. The student. As a working professional, there is nothing more inspiring than interacting with the next wave of filmmakers, musicians, artists and designers who will continue to progress our medium.” Wahre Worte. Es gibt nicht Uninspirierenderes als Konferenzen, die durch astronomisch hohe Preise versuchen, den in den Augen der Veranstalter viel zu unerfahrenen und letztlich vielleicht auch noch unbequemen Nachwuchs auszuschließen – und dadurch immer nur im eigenen Sud schmoren.

Ich bin jedenfalls gespannt und freue mich tierisch auf inspirierende, spannende und hoffentlich schön warme Tage in Barcelona. Einen kleinen Vorgeschmack gibt es auf Vimeo.

Instakunst

Filter drüber, hochladen, fertig. So schnell kann Kunst gehen. “Kunst?! Ist das dein Ernst?!” höre ich die Spiegelreflexkamera behängten, Hornbrille und Seidenschal tragenden etablierten Kunstschaffenden fragen. Ich zucke mit den Schultern und antworte “Weiß nicht so genau.”. Darüber, ob Instagram-Bilder Kunst sind oder nicht, könnte man wahrscheinlich wochenlang streiten. Dafür ist Kunst, vor allem die der Popkultur, ja ohnehin bekannt. Aber ich sags mal so: iPhone und Instagram sind ebenso Instrumente wie die Spiegelreflex und Lightroom. Mit dem einen kann man ganz furchtbar hässlichen Kram machen, mit dem anderen auch. Aber eben auch ganz furchtbar hübsches Zeug. Auch mit dem iPhone muss man einen besonderen Moment oder eine besondere Stimmung einfangen und den richtigen Bildausschnitt wählen. Zugegeben, die Stimmung lässt sich dank der vorgefertigten Filter ganz gut faken. Aber kann ein Fake nicht auch schon wieder Kunst sein? Ähm, was ich eigentlich sagen wollte: Ausstellung. Instagram-Ausstellung. Popup Gallery. Bald. In Hamburg. Am 4. Mai. Gucken kommen. Nette Menschen treffen. Einen schönen Abend haben. Und die Kunstdebatte zuhause lassen.

10 Hamburger und Hamburgerinnen, darunter die liebe @kathrynsky, präsentieren ihre Lieblingswerke im Vergizzmeinnicht. Genauere Infos gibt’s auf Facebook.

See you there.

Potential – das Hintertürchen ins Paradies.

“Du wirst mal eine von den ganz Großen” schrieb mein Chef vor drei Jahren auf meine Abschiedskarte. Nur worin, das hat er nicht dazu geschrieben. Vielleicht, weil es für ihn ganz klar auf der Hand lag. Vielleicht aber auch, weil er in mir irgendwas gesehen hat, das er nicht in klare Worte fassen konnte. Vielleicht auch einfach, weil es eine lieb gewordene hohle Phrase für jede Praktikanten-Abschiedskarte geworden war. Eine Motivationsfloskel dafür, das eigene Potential nicht nur ausfindig zu machen, sondern es auch auszuschöpfen.

Denn Potential ist ja etwas Tolles oder? Potential muss man nur erschließen, es bergen, es wie Goldklumpen aus dem Mississippi des Lebens sieben. Damit ist Potential die Grundlage für alle unsere Träume und Lebensziele. Nicht für die kleinen, in naher Zukunft umsetzbaren, sondern die großen, die ganz großen, die uns daran glauben lassen, dass irgendwo am Horizont ein Hintertürchen ins Paradies versteckt ist – das wir finden werden, wenn wir nur lange genug sieben.

Dumm nur, dass irgendwie in allem Potential steckt, was wir nicht – noch nicht – können. Die Frage ist nicht, ob diese Hintertürchen existieren. Es gibt sie. Die Frage ist viel eher, welcher Schlüssel später, irgendwann, wenn wir dehydriert am Rande des Horizonts angekrochen kommen, ins Schloss passt. Also switchen wir gedanklich von Potential zu Potential, kratzen an der Oberfläche des einen und schielen unter den Scheffel des anderen, entscheiden uns nach langem Hin und Her dann für ein drittes, nur um uns übernächste Woche darüber zu ärgern, dass wir die anderen beiden vernachlässigt haben. Und weil wir den Blick immer auf dieses “aber ich könnte noch, denn dann würde ich vielleicht” gerichtet haben, schleicht das “aber du hast doch schon und das war doch eigentlich schon recht gut” im Windschatten unseres Ichs auf Potentialerfüllungssuche hinterher, in der Hoffnung, dass wir uns irgendwann mal umdrehen. Denn dann könnte es uns sagen, dass es bereits seit der vorvorletzten bestandenen “Prüfung” einen passenden Schlüssel mit sich herum schleppt – und wir am Horizont eigentlich nur das richtige Türchen dafür finden müssen.

Paul und die Wasserflaschen.

Am 22. März war internationaler Tag des Wassers. Paul hat Recht, da hätte dieser Artikel wesentlich besser gepasst. Mein Leben aber hat trotzig den Kopf geschüttelt und deutlich gemacht, dass es sich nicht nach irgendwelchen willkürlich festgelegten Daten zu richten gedenkt. Also musste Paul noch ein bisschen warten.

Aber wer ist denn nun eigentlich Paul? Paul ist der Partner von Georg. Und zusammen machen Paul und Georg ziemlich tolle Flaschen, eigentlich fast schon kleine Sammlerobjekte. Die Flaschen sind aus italienischem Glas gefertigt und mit einem Porzellan-Naturkautschuk-Bügelverschluss versehen. Hab ich mir nicht gemerkt, hab ich von der Website abgeschrieben. Die Flaschen können so ziemlich alles, Superman-Flaschen sozusagen. (Das wiederum hab ich mir selbst ausgedacht.) Aber jeder Superman braucht sein Kryptonit und das Kryptonit von Pauls und Georgs Flaschen ist Kohlensäure. Womit wir dann endlich auch beim Thema angelangt wären.

Paul und Georg sind die Initiatoren von Soulbottles & Soulwater, einem Projekt, das gerade auf startnext.de um seine Finanzierung kämpft. Das Ziel: Mehr Menschen dazu zu bewegen, Leitungswasser statt Mineralwasser zu trinken. Warum? Um die Umwelt zu schützen. Um Menschen in Entwicklungsländern den Zugang zu sauberem Trinkwasser zu ermöglich. Um selbst gesünder zu leben. Die Tatsache, dass der Konsum von Leitungswasser weniger Müll produziert, ist nicht gerade neu. Die Tatsache, dass das Trinken aus Plastikflaschen nicht gerade gesund ist, auch nicht. Trotzdem mag ich, was Paul und Georg aus diesen Tatsachen gemacht haben.

Dementsprechend ist die Finanzierung auch fast geschafft. 20.000 Euro benötigen die Jungs. Wofür, schaut ihr euch am besten selber an: soulbottles & soulwater auf startnext.de. Noch mehr Hintergrundinformationen und vor allem alle Flaschen gibts auf soulbottles.com. Die fantastischen Designs von Chiara Lupi entschädigen für die Tonalität der Website. (Junge Zielgruppe und so…)

Zusammengefasst handelt es sich bei soulbottles & soulwater um ein tolles Projekt von tollen jungen Leuten, das man guten Gewissens unterstützen kann und unterstützen sollte. Und das am besten ziemlich schnell. Die Finanzierungsrunde läuft nämlich in 11 Tagen aus und wenn Paul und Georg ihr Ziel nicht erreichen, wird auch das bereits gesammelte Geld nicht ausgezahlt. Und schließlich verhelft ihr nicht nur Paul und Georg dazu, ihren Traum verwirklichen zu können, sondern auch vielen Menschen zu sauberem Trinkwasser. Das gibt große, fette Pluspunkte auf dem Karmakonto.

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