William Fitzsimmons on stage

Ob man IN der Elbphilharmonie noch in diesem Jahrhundert Konzerten erstrangiger Ensembles lauschen kann, sei einmal dahingestellt. Als ich letzten Samstag erzählte, ich würde auf ein Konzert AN der Elbphilharmonie gehen, erntete ich nur ungläubige Blicke und die immer gleiche Frage: “Ist die denn fertig!?!?” Nein, ist sie nicht. Trotzdem oder vielleicht gerade deswegen, lud sie am 17. und 18. September zum ersten kostenlosen Open Air, quasi einem “Umsonst  und draußen”, ein. Dank der Facebook-Fanpage des affektblog erfuhr ich rechtzeitig davon, dass dort auch William Fitzsimmons auftreten sollte. Ich mag William Fitzsimmons. Sehr. Manchmal sind mir seine Lieder ein gutes Stück zu melancholisch. Nichts für jeden Tag. Aber für die Tage dazwischen. So lockte sein Auftritt dann auch zahlreiche Musikliebhaber an, die sich an einem kühlen Spätsommerabend zu den ruhigen Klängen aneinander kuschelten. Was soll ich sagen: Ein Mann, eine Gitarre und ein ganz großes HACH!

(Da mich der Vater dieser kleinen wie reizenden Nachwuchsfotografin per eindeutiger Handzeichen darauf aufmerksam machte, dass er mich im Auge behalten würde, sei an dieser Stelle gesagt: Ein kurzer Hinweis per Mail und das Foto verschwindet in den ewigen Jagdgründen.)

 

Entscheidungen…

(Ostsee 2010)

… manchmal kann man nichts tun als darauf zu warten, dass jemand anders sie fällt.

 

Mein erstes Mal

Schon seit einem Jahr darf ich eine Nikon D90 mit 18-200 mm Objektiv mein Eigen nennen. Und ich muss gestehen, dass wir uns in dieser Zeit nicht wirklich gut kennengelernt haben. So eine digitale Spiegelreflexkamera ist eben doch ein recht komplexes Wesen. Da ich in den letzten Monaten aber unter akutem Zeitmangel litt, haben wir es einfach nicht geschafft, uns dauerhaft aneinander zu gewöhnen. Das soll sich jetzt ändern. Also nahm ich mir gestern und heute ein paar Stunden, lernte fleißig die Funktion aller Knöpfe und Rädchen und zog dann los, um der Theorie die Praxis folgen zu lassen. Es handelt sich hier also um das Ergebnis meines allerersten Streetfotografie-Shootings. Seid gnädig.

 

Blog: Facetten vs. Spezialisierung

In meinem letzten Blogeintrag berichtete ich von meinem Vegetarierprojekt. Zwischenzeitlich las ich Jonathan Safran Foers “Tiere essen” und bemerkte, dass ich ein bisschen mehr tun wollte, als nur selbst vegetarisch zu leben. Es geht mir dabei gar nicht mal um Tierliebe im engen Sinne, sondern um die Umwelt und damit auch um die Zukunft des Menschen im globalen Sinne. Am 1. Mai beschloss ich deswegen, ein neues Blogprojekt auf die Beine zu stellen. Eines, das sich mit meinem ganz persönlichen Weg zum Vegetarismus befasst. Vorgestern fiel der Vorhang und ich präsentierte meiner kleinen Twitter- und Facebookwelt: kreatürlich.de Tatsächlich konnte ich in den ersten beiden Tagen bereits 480 Seitenzugriffe verzeichnen, worüber ich mich ziemlich freue.

Nun habe ich zwei Blogs und zugegebenermaßen nahm ich mir in der Vergangenheit nicht mal die Zeit, dieses eine Blog vernünftig zum Laufen zu bringen. Bevor ich The Woohoo Blog online stellte, dachte ich lange darüber nach, ob ich dem Blog ein Thema geben wollte. Da meine Persönlichkeit jedoch einigermaßen facettenreich ist, wollte ich mich nicht künstlich selbst beschneiden und beschloss daher, mich nicht auf ein, zwei oder drei bestimmte Themen festzulegen. Das Dilemma folgte auf dem Fuße: Ich wollte nicht jeden Pups dokumentieren, den ich ließ – und empfand bald die meisten Themen nicht mehr als wichtig oder interessant genug, um darüber bloggen zu wollen.

Das genaue Gegenteil trat bei den Vorbereitungen zu kreatürlich.de ein. Noch bevor auch nur ein Pixelchen das Licht der Welt erblickt hatte, tippte ich mir die Finger wund. Ein Artikel nach dem anderen wanderte in meinen “Veggiedings”-Ordner. Einerseits kann ich das der Neugier zuschreiben, mit der ich mich gerade selbst auf mein neues vegetarisches Leben stürze. Andererseits verdanke ich das der Spezialisierung auf ein Thema. Wenn man sich intensiv mit einer Sache auseinandersetzt, stößt man plötzlich auf ganz viele Dinge, die einem erwähnenswert scheinen. Und dann ist es egal, ob es sich um einen kleinen Pups handelt, denn dann wächst diese ganze Blogsache irgendwie organisch. Der kleine Artikel über eine Nebensächlichkeit fügt sich in das große Gesamtbild ein und ergänzt es um eine weitere Facette. Das macht es wichtig genug, um trotzdem darüber bloggen zu wollen.

Nun kann man für den Woohoo-Blog daraus zwei Schlüsse ziehen. Entweder ich überarbeite das ganze Konzept (das bisher eigentlich nicht existierte) noch einmal, konzentriere mich auf zwei bis drei Themen, die ich für besonders lesenswert befinde, und hoffe, dass sich der gleiche Effekt wie bei kreatürlich.de einstellt. Dazu müsste ich auch das Layout überarbeiten, denn das gefällt mir und meinem Herzpixelschubser ohnehin nur noch in sehr geringen Maßen. Oder aber ich beschränke mich weiterhin nicht auf einzelne Themen, sondern blogge über jeden Blödsinn, der mir gerade in den Sinn kommt – auch wenn ich ihn nicht für besonders wichtig erachte. Denn auch dann wächst etwas organisch – ein Bild, das am Schluss meine gesamte Persönlichkeit widerspiegelt.

Tatsächlich habe ich auch darüber nachgedacht, den Woohoo-Blog einfach aufzugeben, um mich zu 100% auf mein neues Projekt konzentrieren zu können. Aber das Wörtchen “aufgeben” kommt in meinem Wortschatz irgendwo ganz hinten im Anhang. Deswegen werde ich mir ein bisschen Zeit nehmen, um mich zwischen Szenario 1 und Szenario 2 zu entscheiden. In der Zwischenzeit würde ich mich freuen, wenn ihr auch meinem neuen Projekt eine Chance gebt und ab und an vorbeischaut.

 

Vegetarierinnen-Experiment, Zwischenfazit

“@Elfenkind Ich bin immer froh, wenn keiner fragt. Weil die Antwort oft so rüberkommt, als wolle man jemanden überzeugen.” “@kommanderkat Richtig. Die fangen an zu diskutieren. Ich will gar nicht diskutieren. Weil ich mich nicht für meinen Lebensstil rechtfertige.”

Dieser kurze Dialog mit Kathrin ergab sich heute auf Twitter, nachdem ich in einem Tweet davon erzählte, dass ich das Gefühl habe, ich könnte die Frage nach dem “Warum?” bezüglich meines kleinen Vegetarier-Experiments nie hinreichend beantworten. Dass ich es aber nicht kann, kommt nicht von ungefähr. Ich möchte es überhaupt nicht können. Weil ich nicht verstehe, weshalb mir diese Frage von jedem Zweiten gestellt wird.

Ja, Tiere werden gequält. Sie trampeln sich in einer eines Lebewesen unwürdigen Massentierhaltung halb zu Tode. Sie werden in viel zu engen Lastern durch die halbe Welt transportiert und verenden in ihrem eigenen Kot. Ja, abgelaufenes Fleisch wird umetikettiert, um das Mindesthaltbarkeitsdatum eine Woche nach hinten zu verschieben. Und dabei sterben die meisten Tiere einen höchst überflüssigen Tod, weil ein Großteil der Fleischstücke direkt in die Tonne hinter dem Supermarkt wandert. Weil der Mensch den Hals nicht vollbekommen kann, weil es nicht ausreicht zwischen drei Fleischsorten zu wählen, weil man Gästen ja auch etwas ganz Besonderes bieten muss. Ja, das ist mir alles bewusst. Und zudem produzieren zu viele Kühe zu viel Methan und deswegen stirbt gemeinsam mit den Kühen auch noch unsere Umwelt. Ich weiß es und ich weiß, dass das alles grausam ist und trotzdem behaupte ich nicht, dass ich meinen Fleischkonsum aus ideologischen Gründen eingestellt habe. Weil es zumindest teilweise geheuchelt wäre. Weil ich all das und noch viel mehr auch schon vorher wusste und es mir trotzdem egal war. Weil es mir geschmeckt hat.

Was aber hat mich dann dazu getrieben? Ich kann es nicht an einem bestimmten Auslöser festmachen. Ich las viel über den Buddhismus, weil ich wieder begann, mich mit Yoga auseinanderzusetzen. Und da Yoga und vegetarische oder sogar vegane Ernährung oft Hand in Hand gehen, habe ich mich zwangsläufig auch ein wenig damit beschäftigt. Manche Dinge fand ich interessant und ich bekam Lust, es auszuprobieren. Ein Anreiz lag bestimmt auch darin zu testen, wie schwer es mir fallen würde, meine eigenen Gelüste nach Fleisch unter Kontrolle zu bringen. Ob ich es trotz Grillsaison und Urlaub an der Küste mit ihren fischigen Verlockungen durchhalten würde. Ich rauche nicht, ich trinke Alkohol nur in Maßen – aber würde ich einfach etwas abstellen können, das, seit ich denken kann, Teil meines Lebens ist?

Dazu kam, dass meine besten Freundinnen aus Hamburg Vegetarierinnen sind. Ich entdeckte also viele Möglichkeiten, in der Stadt vegetarisch und trotzdem sehr lecker essen zu gehen. Zum Beispiel im Seasons, das jeden Mittag ein abwechslungsreiches und leckeres vegetarisches Buffet auffährt.

Eigentlich war es wie immer, bevor man eine große Entscheidung für das weitere Leben fällt: Es spielten viele Faktoren zusammen und einer alleine hätte wahrscheinlich nicht die Kraft gehabt, mich zu einem solchen Experiment zu bewegen. Ich rede von einem Experiment, weil es für mich nach wie vor ein solches ist. Ich würde lügen, würde ich behaupten, dass es mir in jeder Situation leicht fällt, auf Fleisch zu verzichten. Manchmal vergesse ich es auch vorübergehend und freue mich schon auf den nächsten Spargel mit Schinken oder das leckeres Sushi mit Lachs. Bis mir dann wieder einfällt: >>Möööp, is nich mehr.<< Aber das führt auch dazu, dass ich mich momentan immer wieder ganz bewusst für meine neue Lebensweise entscheide. Oft bin ich dann ein bisschen stolz auf mich. Aber ich würde niemals nicht meine Hand dafür ins Feuer legen, dass ich nicht früher oder später doch wieder schwach werde.

Ich weiß, warum ich dieses Experiment gestartet habe: Ein bisschen Ideologie, gewürzt mit einer Prise Buddhismus-Interesse, garniert mit der Neugier, wie es um meine Willenskraft bestellt ist. Das Ganze serviert an neuen Erfahrungen und dem Forschungstrieb ob der körperlichen Auswirkungen. Wenn mich jemand fragt, warum ich zur Vegetarierin wurde, werde ich weiterhin antworten: Ich hatte Lust. Und weil ich es kann. Das erspart mir in den meisten Fällen lange Diskussionen und ein süffisantes Lächeln.

 
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