Mit #catcontent zur Erleuchtung.

- - Seelenmädchen

Zen. Das Wort kennt mittlerweile fast jeder, was im Detail dahinter steckt, weiß kaum jemand. Zumindest in Europa. Hier verbinden wir Zen mit kleinen Harken zum Stressabbau, stundenlangen Teezeremonien oder leeren Marketingversprechen. Das erste Mal kam ich Zen ein bisschen näher, als ich letztes Jahr Leo Babautas Blog zenhabits.net für mich entdeckte. Ich mag seine Art zu schreiben und stöberte eine Zeitlang fast täglich durch sein Blog. Irgendwann hatte ich das Gefühl, dass sich vieles wiederholte und verlor langsam das Interesse. Bis jetzt. Vor rund drei Wochen klopfte Zen wieder leise an meine innere Tür und ich beschloss, mich dem ganzen Thema etwas ausführlicher zu widmen. Wie immer führte mein erster Weg zu Google. In einem Zen-Forum recherchierte ich ein paar Lektüre-Empfehlungen und blieb besonders an einem Titel hängen:

Wunderbare_Katze

Könnte daran liegen, dass der Mann mich 24/7 mit #catcontent vollballert. Aber das ist eine reine Vermutung. Ich fing an zu lesen und hätte das Buch am liebsten direkt wieder in irgendeine Ecke gepfeffert. Umständlicher hätte man sich kaum ausdrücken können. Ich hatte das Gefühl, jeden Satz dreimal lesen zu müssen und dachte: Nee, danke, wenn das Zen ist – kein Bedarf. Ich quälte mich trotzdem weiter durch und wurde belohnt. Die Zen-Texte selbst waren im Gegensatz zum Vorwort das reinste Vergnügen. Später las ich auf Wikipedia dann das: ” [...] der Japanologe Achim Seidl, der gemeinsam mit Dürckheim ein Buch verfassen sollte, warf ihm vor, dass seine abgehobene Sprache kaum noch etwas mit der Einfachheit des Zen zu tun habe.” Generell scheint der zweite große Patriarch des deutschen Zen (neben Eugen Herrigel) nicht unbedingt ein unumstrittener Zeitgenosse zu sein. Aber dazu eventuell an anderer Stelle mehr.

Die Philosophie des Zen liegt mir sehr und ich würde mich am liebsten 24 Stunden am Tag damit beschäftigen. Im Zentrum der Lehre steht natürlich Zazen – die Meditation im Sitzen. Anfängern wird empfohlen, fünf Minuten am Morgen und bestenfalls noch einmal fünf Minuten am Abend zu meditieren. Also schnappte ich mir vorhin meine Flauschdecke und ein Sofakissen, starrte fünf Minuten auf die Schlafzimmertür und zählte meine Ein- und Ausatmungen. Dazwischen schummelten sich Gedankenfetzen wie “Darüber könnte ich bloggen.”, “Was der Mann auf der anderen Seite der Tür wohl gerade treibt?” und “Wie lange noch, wie lange noch?”. Aber das ist wohl ganz normal. Wichtig ist, diese Gedankenfetzen vorbeiziehen zu lassen und sich nicht daran festzuhalten. Und letzten Endes gingen die fünf Minuten dann doch schneller um als gedacht.

Zen hat viele spannende Seiten, die ich hier in nächster Zeit nach und nach aufblättern werde. Mittlerweile denke ich sogar schon darüber nach, Japanisch zu lernen. Und gestern ist unser kleiner neuer Mitbewohner eingezogen.

Bonsai

Es handelt sich zwar nur um einen Fake-Bonsai (Ficus), aber so lange sich wie heute Morgen ein (Fake-)Glücksgefühl einstellt, während ich “unter” meinem kleinen Zen-Bäumchen frühstücke, ist mir das zugegebenermaßen ziemlich schnurz.

Ein Kamel
für alle Fälle

- - Seelenmädchen

Ich dachte ja, die Fauna des bayrischen Hinterlandes würde weitgehend aus Eichhörnchen und Wildschweinbraten bestehen. Unser Team-Workshop belehrte mich eines Besseren. Dort, wo sich normalerweise Hase und Igel „Gute Nacht“ sagen, mitten im tiefsten Mangfalltal, haben sich ein paar bayrische Trampeltiere gemeinsam mit einigen störrischen Eseln und eigenwilligen Lamas angesiedelt.

Kamel2

 

Lama2

Nach ein paar Minuten des gegenseitigen Beschnupperns, ging es auch schon los. Während ich entspannt auf Tamara dahin schaukelte, hatte ich Gelegenheit, einen der Pfleger etwas detaillierter über die Wüstenschiffe auszuquetschen. Und dieser Artikel wäre kein Metamädchen-Artikel, wäre es in diesem Gespräch nicht um mehr gegangen als um Fressgewohnheiten und Paarungsabsichten. So erzählte der Pfleger unter anderem vom therapeutischen Charakter der vermutlich gechilltesten Wesen dieses Planeten. Therapiert werden können mit Hilfe der gutmütigen Tiere beispielsweise Schlaganfall- und Burnout-Patienten ebenso wie Autisten und Spastiker. Dabei legen die Paarhufer offensichtlich echtes Fingerspitzengefühl an den Tag. Sie registrieren zum Beispiel, wenn sie einen halbseitig gelähmten Patienten auf dem Rücken tragen und passen ihre Gangart automatisch an. „Sie laufen dann wie auf rohen Eier“, so der Pfleger. Und Autisten können ruhig auch mal laut werden und um sich schlagen, denn die gemütlichen Riesen bringt – im Gegensatz zu Pferden – so schnell nichts aus der Ruhe. Dass sich diese Ruhe unglaublich schnell auf den Menschen überträgt, kann ich nach dem 20-minütigen Ritt jedenfalls bestätigen.

Es heißt ja oft, Kamele seien zu 90% bösartige Wesen. Dazu sagte der Pfleger nur eines: Stimmt – weil 90% der Kamele schlecht be- oder sogar misshandelt werden. Seiner Ansicht nach kommen Kamele naturgemäß als extrem gutmütige und sensible Schmuser zur Welt. Aber schlechte Erfahrungen prägen sie eben. So wie uns alle.

Jedenfalls habe ich ab jetzt ein neues Lieblingstier.

Me and camel

Eden-Express
von
Mark Vonnegut

- - Büchermädchen

“Hast du ‘nen Plan?” “Nö.” Ich mag Pläne nicht, also mache ich keine. Hätte mir jemand vier Monate, bevor ich die Kisten gepackt habe, gesagt, dass ich bald den Entschluss fassen würde, nach München zu gehen, hätte ich ihm den Vogel gezeigt. Hätte mir vor fünf Jahren jemand gesagt, dass ich kurz vor knapp mein Referendariat schmeißen würde, hätte ich ihm den Vogel gezeigt. Hätte mir ebenfalls vor fünf Jahren jemand gesagt, dass ich in die Schweiz und kurz darauf nach Hamburg gehen würde, hätte ich … ihn ausgelacht. Ich denke nach. Meistens viel zu viel. Aber Entscheidungen fälle ich aus dem Bauch heraus. Schon immer. Warum das so ist? Keine Ahnung. Aber ich bin froh darüber.

Ebenfalls eine Bauchentscheidung, wenn auch nur eine klitzkleine, war es, mir Mark Vonneguts Buch “Eden-Express” herunterzuladen. Ich hatte kaum den Klappentext gelesen, schon hatten die Fingerchen den Kindle gezückt und auf kaufen geklickt. Das Buch erschien vor knapp 3 Wochen auf Deutsch. Geschrieben wurde es vor 39 Jahren. Aber ich habe das Gefühl, es war noch nie so aktuell wie heute.

Es ist die Geschichte eines Ausstiegs. Und die Geschichte eines Wahnsinns. Für mich ist es vielmehr die Geschichte einer Gesellschaftsmüdigkeit, die man heute vielleicht noch mehr als damals (hierbei handelt es sich um eine Hypothese, ich war damals weder unterwegs noch geplant) gefühlt aus jedem zweiten Gesicht herauslesen kann. Zumindest in unseren Wohlstandsstaaten. Wir wollen raus. Wir wollen lieber heute statt morgen die Koffer packen und alles hinter uns lassen. Wir wollen Dinge wieder mit unseren Händen erschaffen und die Natur unter unseren Füßen spüren. Wir wollen nicht mehr funktionieren, um des Funktionierens Willen. In unseren schwachen Momenten zumindest. Mark ist einer, der es durchgezogen hat. Der mit ein paar Freunden nach Kanada gezogen ist, auf eine abgelegene Farm und den Selbstversorger gespielt hat. Aber er ist auch einer, der irgendwann zusammengebrochen ist.

Die Lektüre ist hart. Nicht weil sie schwierig zu lesen ist, sondern weil sie so nah an der eigenen Lebenswirklichkeit entlang schrammt. Man erkennt sich wieder, in Gedanken, in Gefühlen, in Wünschen. In Zweifeln. In Beziehungsproblemen. In Fragen ohne Antworten. Fragen, die ihn irgendwann in den Wahnsinn führen werden. (Ich habe erst ein Drittel gelesen.) Und man fragt sich unweigerlich, was und vor allem wie viel einen selbst noch von diesem Wahnsinn trennt.

“Ich glaube, die meisten hatten von der Art Rationalität, von der unsere Erziehung geprägt war, die Schnauze voll. Nicht nur hatte die westliche Rationalität auf einem wundervollen Planeten eine erbärmliche Sauerei angerichtet, mehr noch ging es uns darum, dass diese Form der Rationalität den Großteil unseres Gehirns blockiert, ohne uns dafür in irgendeiner Form zu entschädigen. Rationale Wahrheiten waren gut und schön, aber größtenteils trivial, langweilig und nicht besonders hilfreich. Wir wollten einen Teil unserer rational arbeitenden Gehirnkapazitäten befreien und Platz für andere Formen des Denkens schaffen. Nachdem wir uns rational entschieden hatten, weniger rational zu werden, hofften wir nun, neue, bedeutsame, aufregende und nützliche Wahrheiten zu finden. Volksmedizin, Astrologie, das I Ging und andere Dinge, die die westliche Rationalität verachteten, dienten uns mehr zu Trainingszwecken, als dass wir wirklich daran glaubten. Mehr und mehr folgten wir einem Bauchgefühl und immer weniger unseren Plänen und hatten auch bei immer mehr Dingen ein Bauchgefühl, wurden immer effizienter und fühlten uns bei dem, was wir taten, immer besser.”

Ich für meinen Teil weiß, was mich noch vom Wahnsinn trennt: mein Bauchgefühl. Ich muss nicht aussteigen, um es wiederzufinden. Und vor allem glaube ich, dass wir nur glücklich werden, wenn wir es schaffen, innerhalb unserer Gesellschaft ein Stück Rationalität abzulegen und Platz für andere Formen des Denkens zu schaffen. Denn es ist nunmal die einzige Gesellschaft, die wir im Moment haben.

MBSR – Achtsam
durch’s Leben

- - Seelenmädchen

Eigentlich dachte ich, MBSR wäre mittlerweile weit verbreitet und fast jedem ein Begriff. Oder zumindest jedem, der sich hin und wieder mit Yoga und Achtsamkeit beschäftigt. Weit gefehlt. In meiner Yoga-Gruppe kassierte ich nur fragende Blicke. Was nicht in erster Linie, aber vielleicht auch daran gelegen haben könnte, dass meine Brücke immer noch aussieht wie nach einem Erdbeben mit Stärke 7,5 auf der Richterskala – irgendwas zwischen eingefallen und komplett zusammengebrochen.

Aber zurück zu MBSR und Jon Kabat-Zinn. Jon Kabat-Zinn, eigentlich studierter Molekularbiologe, entwickelte MBSR Ende der 70er. MBSR steht für “mindfulness-based stress reduction”, also Stressbewältigung durch Achtsamkeit. Schon der Name verrät, dass es sich hier ursprünglich nicht um eine Erfindung der Wellness-Industrie handelt. Soweit ich weiß, entwickelte Jon Kabat-Zinn das 8-wöchige Programm für Klinikpatienten, die unter starken chronischen Schmerzen litten. Und er erzielte damit erstaunliche Erfolge.

Zum ersten Mal wurde ich auf MBSR durch einen Artikel des Spiegel aufmerksam: “Meditation – Die lernende Seele”. Klingt erstmal ziemlich esoterisch. Dabei geht es im Grunde genau um das Gegenteil, nämlich darum, dass die Erfolge, die durch Meditation bzw. MBSR (z. B. in Bezug auf Angststörungen und Depressionen) erreicht werden können, mittlerweile wissenschaftlich untermauert wurden. Nach acht Wochen konnte bei vielen (Angst-)Patienten eine Verkleinerung der Amygdala, des Angstzentrum des Gehirns, nachgewiesen werden.

Schön, dass es wirkt, ist nun also erwiesen. Aber was genau ist MBSR denn nun eigentlich? MBSR ist eine Kombination aus verschiedenen Meditations- und Entspannungstechniken und schließt auch sanfte Yoga-Übungen mit ein. Üblicherweise wird acht Wochen lang einmal die Woche ein 2,5-stündiges Training besucht. Zusätzlich gibt es CDs für Zuhause, mit denen die Teilnehmer ihre Praxis vertiefen können und sollen, wenn sie nachhaltige Erfolge erzielen möchten. Den Abschluss des Trainings bildet der “Tag der Stille”, an dem alle Übungen wiederholt und in Stille geübt werden. Der Zeitraum von acht Wochen ist wichtig, denn nur so kann das Gelernte sich nachhaltig im Gehirn verankern. Soll der Effekt erhalten bleiben oder verstärkt werden, kommt man natürlich auch danach nicht um regelmäßiges Üben herum.

Ich hatte schon länger mit dem Gedanken gespielt, selbst einen MBSR-Kurs zu belegen. Nicht weil ich unter einer Angststörung leide, sondern weil ich gerne noch ein bisschen mehr bei mir ankommen und noch ein bisschen entspannter und eben achtsamer durch’s Leben gehen möchte. Aber auch hier gilt wie für das Yoga: Ich habe einen gewissen Anspruch, was meine Lehrer betrifft. Und sobald potentielle Coaches auch nur ein Hauch des Esoterischen umweht, bin ich aus der Nummer raus. (Natürlich kommt es hier immer auf die ganz persönliche Definition von Esoterik an.) Too make a long story short: In München hat sich alles gefügt und ich werde ab Ende September an einem MBSR-Intensivkurs am schönen Starnberger See teilnehmen. Acht Wochen, aber nur vier 5-stündige Einheiten. Ich bin gespannt. Bestenfalls bin ich hinterher ein kleiner, dicker, grinsender, in sich ruhender Buddha. Schlimmstenfalls hab ich ein paar schöne Samstage am Starnberger See verbracht.

Der Berg, mein Freund

- - Seelenmädchen

Wir sitzen zusammen, der Berg und ich, bis nur der Berg bleibt. (Li Po, aus: Jon Kabat-Zinn – “Im Alltag Ruhe finden”)

Die Berge. Früher hatte ich sie direkt vor der Haustür und wusste sie nicht zu schätzen. Wie sehr ich sie vermisst habe, wurde mir erst klar, als ich vor wenigen Wochen zum ersten Mal in Tegernsee aus dem Zug gestiegen bin und mein Herz bei ihrem Anblick in leise Jubelschreie ausbrach. Damals habe ich die Kolosse nur von einem gemütlichen Plätzchen am See aus angeschmachtet, heute bin ich ihnen ganz nahe gekommen. Oder zumindest einem von ihnen, einem der kleineren: dem Hirschberg. Die untrainierten Beinchen ächzten, aber das Herz jubelte munter weiter.

Hirschberg 2

“Nun “sitzt” der Berg, wie Sie wohl wissen, den ganzen Tag über einfach da, während die Sonne über den Himmel wandert. Licht und Schatten und Farben verändern sich von Augenblick zu Augenblick in der unnachgiebigen Stille des Berges. Der Berg bleibt still, während die Jahreszeiten ineinander übergehen und das Wetter sich Augenblick für Augenblick und Tag für Tag ändert. Stille, die alle Veränderung überdauert.” (aus: Jon Kabat-Zinn – “Im Alltag Ruhe finden”)

Ich mag die Berge. Die ganze Szenerie rund um den Tegernsee strahlt eine unglaubliche Ruhe und Kraft aus. Da muss man nicht erst Jon Kabat-Zinn gelesen zu haben, um sich ein bisschen Gelassenheit von ihnen abzugucken. Kabat-Zinn geht einen Schritt weiter und schlägt vor, das Bild des Berges in die tägliche Meditationspraxis zu integrieren. Auch im Yoga gibt es eine Haltung, die sich der Berg nennt. Kommt der Berg ins Spiel, geht es immer um die eigene Standfestigkeit und Standhaftigkeit. Es geht darum, das Leben und die Herausforderungen des Daseins anzunehmen, ohne in den eigenen Grundfesten erschüttert zu werden. Das gelingt mir mittlerweile ziemlich gut. Was ich von einer täglichen (oder überhaupt einer regelmäßigen) Meditationspraxis nicht gerade behaupten kann. Noch nicht. Im September könnte sich das ändern. Aber das hat einen eigenen Blogpost verdient.

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